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Test: Standlautsprecher von KEF und Sonus Faber
So ähnlich und doch so verschieden: Die beiden edlen und wohnzimmerfreundlichen Standlautsprecher von KEF und Sonus Faber fordern zum Vergleich mit Pavarotti und Potts heraus. Doch im Boxen-Duell blieb England nicht ganz chancenlos gegen Italien. Ein Test mit Überraschungen.
Sonus Faber benutzt gerne eine, der Jahrhunderte alten Handwerkskunst des Musikinstrumentenbaus entliehene Symbolik. Das Firmengebäude des cremonesischen Herstellers folgt wie die charakteristischen Lautsprechergehäuse Faberscher Fabrikation der patentierten Lautenform. Und wenn die Italiener unterschiedliche Qualitätsstufen ihrer in aufwendiger Handarbeit gefertigten Preziosen vergleichen, bedienen sie sich nur zu gerne der Geigen von Amati, Guaneri und Stradivari, deren Namen das Topmodell ziert.
Wir verglichen die Domus Concerto allerdings nicht mit Streichinstrumenten, sondern ganz profan mit einem anderen Lautsprecher. Der kommt von KEF, einem angesehenen britischen Hersteller, der sich allerdings äußerst erfolgreich der Groß-Serie verschrieben hat: die schlicht XQ 30 getaufte Standbox verkörpert die Oberklasse der zum chinesischen Gold Peak Konzern gehörenden Traditionsmarke aus Kent.
Zum Hörtest bietet sich aktuell der englische Nachwuchstenor Paul Potts – hierzulande bekannt durch einen sehr emotionalen Telekom-Spot – an. Der versuchte sich in einer Castingshow an Puccinis "Nessun Dorma" und fordert damit unweigerlich zum Vergleich mit dem unvergessenen italienischen Startenor Luciano Pavarotti heraus. Potts kam zwar nicht an die Legende heran, doch die Kombination aus schiefen Zähnen, unbeholfener Gestik und unerwartetem, aber gewaltigem Gänsehautfaktor der sehr emotionalen Interpretation bewegt die Menschen.
Doch der Ausgang unserer Geschichte entspricht so gar nicht dem Klischee von der volkstümlichen, noch dazu in einer Volksrepublik zusammengebauten KEF-Box, die der hohen Schule italienischer Lautsprecherkunst allenfalls einen Achtungserfolg abringen könnte.
KEF XQ 30
An der KEF sitzt nichts schief und sie wirkt auch kein bisschen ungelenk oder übergewichtig. Das hochglänzende Furnier der schlanken, durch ihre höhenverstellbaren Metallfüße geradezu schwerelos über dem Boden schwebenden XQ 30 spiegelt schon beinahe eine sterile Perfektion. Die leicht gerundeten, nahtlosen Gehäusekanten erscheinen makellos. Dieser visuelle Auftritt erinnert weniger an Paul Potts als an den Sieger einer Model Castingshow.
Bis auf zwei harmlose schmalbandige Einbrüche zwischen 1 und 2 sowie bei 12,5 kHz verhält sich der Frequenzgang der XQ 30 mustergültig.
Die Domus Concerto verkörpert zwar grundsätzlich die gleichen Werte wie der unsterbliche Pavarotti, doch sie wirkt trotzdem von allen Seiten schnittig wie ein klassisches Riva-Boot. Im Falle der Treiber setzt Sonus auf einen maßgefertigten Ring-Radiator für den Hochtonbereich und einen 18-cm- Tiefmitteltöner mit Sandwich-Membrane und Phasenpflock zur Linearisierung des Frequenzgangs und zur Wärmeableitung.
Test: Standlautsprecher
Testprofil
\n KEFXQ 30- www.gpaeu.com
- 2.400 Euro
Standlautsprecher
73 Prozent
Fazit:Ein Lautsprecher, der Kopf und Bauch anspricht. Hier wird Analytik nicht mit mangelnder Musikalität erkauft.
- Testurteil
- gut
- Preis/Leistung
- sehr gut
KEF kann für die schlanke Dreiwege-Konstruktion auf Chassis aus eigener Fertigung zurückgreifen. Wie nicht anders gewohnt, kommt auch in der XQ 30 ein UniQ-Koaxial-Mittelhochtöner zum Einsatz – in einer hochwertigen metallbedampften Variante.
"Nessun Dorma" förderte nicht nur Unterschiede der beiden Tenöre zutage, sondern auch Eigenheiten beider Boxen. Obwohl sich die Zwei einer besonders natürlichen Grundabstimmung verpflichtet fühlten, entwickelte jede von ihnen ihre eigene Interpretation. Die KEF lenkte die Aufmerksamkeit auf viele subtile Details: hier ein kleiner Lufthauch, dort ein kleines Vibrato.
Die XQ 30 zog den Zuhörer noch tiefer in die Aufnahme hinein. Dagegen gelang es der Sonus Faber, aus allen Einzelteilen plastische Klangkörper zu formen, die fest im Raum standen. Verkehrte Welt: Der italienische Lautsprecher eiferte im direkten Vergleich eher dem englischen Tenor ("One Chance", Sony) nach: Der zeichnete das bekannteste Stück aus Giacomo Puccinis "Turandot" in warmen, eher zarten Farben mit mehr Körper nach, während der große Italiener ("The Best", Decca) mit besonderer Klarheit und mehr Vibrato in der Stimme zu Werke ging.
Während sich die Frage nach dem besseren Tenor leicht beantworten lässt, entwickelte sich unter den beiden Ausnahmeboxen ein vergleichsweise enges Duell, bei dem sich die warme, vollmundige Domus Concerto letztlich durchsetzte. Die KEF klang wie ein exzellenter Lautsprecher, der ein präzises Bild vom Aufnahmeraum nachzeichnete.
Sonus Faber Domus Concerto
Dagegen konnte die Sonus Faber mit geschlossenen Augen fast schon das Bild erzeugen, echten Vokalisten oder Instrumenten zu lauschen, die vor einem direkt im gleichen Raum spielten. Stellen Sie sich zwei Urlaubsfotos Ihrer Partnerin beim gemeinsamen Abendessen vor. Einmal mit Blitz und einmal nur mit dem vorhandenen, eher gedämpften Licht.
An diesem Frequenzgang gibt es wahrlich nichts auszusetzen. Der minimal betonte Grundtonbereich deckt sich mit dem Hörtestergebnis.
Welches Bild vermittelt wohl eher die Atmosphäre des schönen gemeinsamen Abends? Das bis in den letzten Winkel hell ausgeleuchtete Blitzfoto mit seiner kühleren Farbtemperatur? Oder das eher in warmen Farben gehaltene Bild, bei dem sich nebensächliche Details nur erkennen lassen, wenn man genau hinschaut? Einzige Voraussetzung, dass Letztere das Rennen macht: Die Abbildung darf nicht unterbelichtet oder unscharf wirken.
Und genau diese feine Gradwanderung gelang der Domus, die wegen Fokus und Präzision übrigens nicht so weit nach hinten gekippt werden sollte, dass die Hochtöner über die Zuhörer zielen. Damit konnte sie die hervorragende XQ 30, die für ihre Größe übrigens einen sehr differenzierten Bass erzeugte, noch knapp überflügeln.
Test: Standlautsprecher
Testprofil
\n Sonus FaberDomus Concerto- audioreference.de
- 2.840 Euro
Standlautsprecher
74 Prozent
Fazit:Diva Italia: klingt vollmundig und körperhaft wie die junge Sophia Loren. Aber alles ist echt: Der Frequenzgang ist flach wie ein Magermodel.
- Testurteil
- gut
- Preis/Leistung
- sehr gut
Fazit:
Potts Blitz – wer eher analytisch hört, bekommt von KEF mehr Details und Präzision für weniger Geld. Aber die temperamentvolle, sinnliche Sonus weckt mit ihrer tollen Mischung aus Emotionalität und Natürlichkeit den Italiener in uns.
Stärken und Schwächen
Klangqualität:
Die Stärke der KEF liegt im Auflösungsvermögen und der Basspräzision. Die Sonus punktet besonders mit Natürlichkeit und Pegelfestigkeit.
Ausstattung:
Beide Boxen sind sehr gut ausgestattet, die Sonus Faber bescheidet sich im Gegensatz zur KEF mit Anschlussklemmen, die nicht für Bi-Wiring ausgelegt sind.
Verarbeitung:
Beide Boxen sind sehr gut verarbeitet. Die Domus Concerto wirkt noch einen Tick edler, was nicht zuletzt an der ausgefallenen Kombination Teakholz / Leder liegt.
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