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Kino-Kritik: The Help

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teleschau - der mediendienst

5. Dezember 2011

Mit diesem Erfolg konnte Kathryn Stockett nicht rechnen. Nicht, nachdem 60 Literaturagenten ihr Werk ablehnten. 60 Literaturagenten, die sich heute wahrscheinlich immer noch ohrfeigen könnten. Denn nachdem Stocketts Diskriminierungsdrama "The Help" 2009 endlich veröffentlicht wurde, hielt es sich über zwei Jahre durchgehend auf der Bestsellerliste der New York Times. Das erwartbare Gerangel um die Verfilmungsrechte blieb jedoch aus: Die hatte Stockett lange vor dem Erscheinen des Buchs bereits ihrem Jugendfreund Tate Taylor zugesichert. Der bringt "The Help" nun mit Durchstarterin Emma Stone in der Hauptrolle auf die Leinwand.


Eigentlich ist es nicht ganz zutreffend, Emma Stone als Hauptdarstellerin zu bezeichnen. Denn eine zentrale Figur lässt sich in dem humorvollen Emanzipationsdrama nicht klar ausmachen. Vielmehr präsentiert Regisseur Tate Taylor, eigentlich Schauspieler und zuletzt in "Winter's Bone" zu sehen, ein halbes Dutzend aufregender Frauenzimmer, die er gleichberechtigt behandelt.

Gleichberechtigung ist überhaupt das Stichwort: Um die steht es im US-Staat Mississippi anno 1963 nämlich nicht besonders gut. Dass ausnahmslos jeder von der College-Absolventin Skeeter erwartet, sie möge sich nun endlich einen Ehemann suchen und ihre schriftstellerischen Ambitionen aufgeben, erscheint da noch harmlos. Verstörender wirkt aus heutiger Sicht die Lieblingsteekranzdebatte der gut situierten jungen weißen Damen: nämlich die, ob die schwarzen Hausmädchen, die ihnen vom Kochen bis zur Kindererziehung alle häuslichen Pflichten abnehmen, im Haus die gleiche Toilette benutzen dürfen wie sie selbst.

Während ihre Jugendfreundin Hilly (herrlich böse: Bryce Dallas Howard) eine Kampagne ins Leben ruft, um flächendenkend seperate Klohäuschen aufstellen zu lassen, schlägt sich Skeeter heimlich auf die Seite der Hausmädchen. Sie bittet Aibileen (Viola Davis), aus deren Perspektive die Geschichte erzählt wird, und deren Kollegin Minny (Octavia Spencer) um ein ausführliches Interview - für ein Enthüllungsbuch.

Tate Taylor verzettelte sich im großen Stil, als er Kathryn Stocketts Bestseller zum Drehbuch umarbeitete - und das ist gut so. Denn die Entstehung von Skeeters Roman mag die Substanz sein, die die Handlung zusammenhält. Doch es sind die vielen nebensächlichen Dinge, die dem Film seinen Charakter verleihen: etwa die perfekt getimten, brüllend komischen Lästereien der Hausmädchen. Oder Minnys deftige Machtdemonstration gegenüber ihrer ehemaligen Arbeitgeberin Hilly. Oder der Subplot um Minnys neue Chefin Celia (überragend: Jessica Chastain), der zeigt, wie das Verhältnis von Hausherrin zu Haushälterin im Idealfall aussieht.

Nie verliert Taylor das Bewusstsein dafür, dass die Thematik seines Films eine äußerst ernste und dramatische ist. Doch er verleiht dem Diskriminierungsdrama mit amüsanten Abschweifungen und lichtdurchfluteten Bildern eine Leichtfüßigkeit, die schwerlich zu erwarten war. Das Budget von 25 Millionen Dollar spielte "The Help" übrigens allein in den USA achtfach wieder ein. Wie oft den 60 Literaturagenten, die das Buch ablehnten, diese Zahl wohl unter die Nase gerieben wurde?

Filminfo
Filmbewertung ausgezeichnet 5/5
Filmname The Help
Originaltitel The Help
Starttermin 08.12.2011
Regisseur Tate Taylor
Genre Drama
Schauspieler Emma Stone
Schauspieler Viola Davis
Schauspieler Bryce Dallas Howard
Entstehungszeitraum 2011
Land USA
Freigabealter 0
Verleih Disney
Laufzeit 146 Min.





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