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Testbericht

Kino-Kritik: Pina

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teleschau - der mediendienst

23. Februar 2011

Die Choreografin Pina Bausch und den Filmemacher Wim Wenders verbindet eine 20 Jahre alte Freundschaft. Lange wollte er, der Regisseur, einen Film über ihr Tanztheater machen. Doch er wusste nicht, wie er ihre Körperlichkeit ins Kino übertragen könnte. Als die 3D-Technik ausgereift genug war, gingen sie das gemeinsame Vorhaben 2009 endlich an. Während der Vorbereitungen starb Pina Bausch, ganz plötzlich und unerwartet. Wenders hat diesen Film, den er nun bei der Berlinale außer Konkurrenz uraufführte, dennoch fertiggestellt. Nun nicht mehr mit, sondern für Pina Bausch.

So traurig die Umstände sind, muss man dem Regisseur doch in einem wesentlichen Punkt Recht geben: Er musste so lange warten. Denn zuvor sah man selten, nein, nie eine so ausgereifte 3D-Technik im Kino. Technik, die sich um den Gegenstand, den es zu erzählen gilt, schmiegt. Die Tänzer scheinen tatsächlich in den Raum zu kommen, laufen durch den Kinosaal. Ein faszinierendes, vielleicht sogar erschreckendes Bild.


Die revolutionäre Kunst der Pina Bausch, die seit 1973 in ihrer Heimat Wuppertal wirkte, spaltete das Publikum, trennte die Progressiven von den Konservativen. Vier ihrer Stücke wählte sie aus und ließ sie für diesen Film auf den Spielplatz setzen: "Sacre Du Printemps", eines ihrer meistaufgeführten Stücke mit der Musik von Igor Stravinsky. "Kontakthof" hat sie selbst schon auf verschiedene Arten variiert. Es ist ein schlichtes Werk, das die Begegnung zwischen Mann und Frau thematisiert. "Café Müller" aus dem Jahr 1978 erzählt von der Sehnsucht, zueinander zu finden und von der Einsamkeit. Einmal mehr eine reduzierte, schmuckfreie Arbeit. Das vierte Werk ist "Vollmond", ein reichhaltigeres, buntes Erleben vom Kampf der Geschlechter.

Wenders wollte in erster Linie die Kraft von Bausch wirken lassen, was wiederum dazu führt, dass über lange Strecken kommentarlos nur Tanztheater zu sehen ist. Dazwischen erzählen ihre Tänzer und Mitarbeiter spartanisch von der großen Künstlerin und davon, wie sie gearbeitet hat. Pina Bausch bleibt, vielleicht bewusst, dabei im Dunkeln, Wenders wahrt ihr Geheimnis, verwahrt es. Man erfährt wenig über diese Frau, und nur selten werden Archivaufnahmen der Künstlerin integriert.

Wie es die Choreografin und Tänzerin selbst schätzte, lebt auch die Hommage von kleinen Gesten. Und doch fehlt sie sehr in diesem Film. Mit der Zeit werden die gut gemeinten und hübsch inszenierten Einlagen der Ensemblemitglieder trotz der ungewöhnlichen Orte eintönig.

Man erkennt, dass es die Augen der Künstlerin waren, die die pure Bewegung zu etwas Besonderem verbanden. Ihr Blick erst machte Kunst daraus. Wie das auch bei einem Regisseur der Fall ist. Die Zurückhaltung von Wenders mag durch seine Trauer und den großen Respekt der guten Freundin gegenüber zu erklären sein. Allein, sie reduziert "Pina" aufs Nachempfinden, aufs bloße Schauen.

So achtbar der technische Fortschritt ist, ersetzt er doch keine - in kurzer Entfernung zum Publikum - schwitzenden Körper, die sich voller Mut und mit großer Ästhetik bewegen. Als Kinoproduktion, die so stark auf eine Person fixiert ist, macht es Sinn, auch zu informieren und sich nicht allein als Tanzfilm zu präsentieren. Die Technik spielt mit, macht "Pina" zum weltweit ersten Arthouse-Film in 3D, doch das Persönliche fehlt dieser Hommage.

Filminfo
Filmbewertung akzeptabel 3/5
Filmname Pina - Tanzt, tanzt, sonst sind wir verloren
Originaltitel
Starttermin 24.02.2011
Regisseur Wim Wenders
Genre Dokumentarfilm
Schauspieler Pina Bausch
Schauspieler Regina Advento
Schauspieler Michael Strecker
Entstehungszeitraum 2011
Land D / F
Freigabealter 0
Verleih NFP (Warner)
Laufzeit 107 Min.





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