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Testbericht

Kino-Kritik: Glück

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teleschau - der mediendienst

22. Februar 2012

Es gibt wohl kaum ein Thema, zu dem sich trefflicher fabulieren lässt denn zu "Glück". Jeder hat eine Vorstellung von jenen flüchtigen Augenblicken. Die in München lebende Filmemacherin Doris Dörrie hat die so betitelte Kurzgeschichte aus Ferdinand von Schirachs Erzählband "Verbrechen" adaptiert. Zwei Außenseiter, eine Prostituierte und ein Punk, finden bei Dörrie im rauen Berlin zueinander, und als sie es wagen, sich an dem Anderen anzulehnen, gerät ihre neu erschaffene gemeinsame Welt durch einen Todesfall in Gefahr.


Zunächst fängt der Film die Lebenssituationen der beiden getrennt voneinander ein. Von Kalle (Vinzenz Kiefer, sieht aus wie der Frontmann einer Band, weniger wie ein Punk) gibt es wenig zu erzählen: Der Chaot streunt mit seinem Hund durch Berlin, schnorrt Passanten an, trinkt so viel Bier, wie es seine Tageseinnahmen zulassen und interessiert sich nicht für andere. Eines Tages schenkt ihm Irina (Alba Rohrwacher), ein Mädchen mit einer hellblonden Perücke und gebrochenem Deutsch, eine rote Decke. Sie kommt "von weit weg", wie sie später sagt.

Irina, die zunächst im Mittelpunkt steht, versucht sich ein neues Leben aufzubauen. Sie hat ihre Eltern im Krieg verloren, wurde von Soldaten vergewaltigt und ist nach Deutschland geflüchtet. Als Prostituierte verdient sie genug, um sich nach dem schäbigen Zimmer in einer Pension schließlich eine eigene Wohnung leisten zu können. Nachdem sich Kalle und sie immer öfter treffen, bietet sie ihm an, mit einzuziehen. Natürlich steht die Verbindung der beiden auf Messers Schneide. Dafür hätte es nicht mal den Tod eines Freiers in Irinas Wohnung und das folgende blutige Intermezzo gebraucht. Aber es ging ja in der Kurzgeschichte ursprünglich um einen Kriminalfall, der den Strafverteidiger (Matthias Brandt) und Erzähler ins Spiel bringt.

An Geduld fehlt es Doris Dörrie nicht, man könnte die Entwicklung der Story sogar als zäh bezeichnen. Doch wenn sich zwei verletzte Seelen annähern, muss dies zwangsläufig behutsam - und entsprechend langsam - umgesetzt werden. Das wäre nicht schlimm, würde man ihnen auf dem Weg dorthin gerne zusehen. Doch "Glück" ist mit buntem Schnickschnack und plumper Symbolik überladen - Feinheiten sucht man vergebens.

Bilder sollen Bände sprechen: Kaum fliegen Vögel aufgeschreckt aus einem Nest, schon marschieren Soldaten durch die Straßen von Irinas nicht näher benanntem Heimatdorf. Wenn sie ihr Land verlässt, steht ein Hirsch reglos auf dem Waldweg, dekorativ, wie die in Großaufnahme wiederkehrenden Blumen und Büsche. Später sind es dann Häuserwände, Plastiktüten und Möbelmärkte. Das füllt die Pausen, hübscht auf, aber bleibt ohne Bedeutung für eine unoriginelle Geschichte, deren zentrale Frage ist, wie weit man geht, um sein Glück zu schützen.

Nicht einmal die junge italienische Ausnahmeschauspielerin Alba Rohrwacher ("Die Einsamkeit der Primzahlen") weiß Dörrie in diesem nichtssagenden Großstadtmärchen in Szene zu setzen. Das hilflose Umkreisen der Hauptdarsteller wirkt wie das selbstvergessene Werk eines Regiedebütanten.

Weil Doris Dörrie "Männer" gedreht hat, "Keiner liebt mich", "Kirschblüten - Hanami" und noch so viel mehr, hat man das Gefühl, sich bei der sympathischen Filmemacherin für die harschen Worte entschuldigen zu müssen. Doch ähnlich wie jüngst Helmut Dietl mit seinem "Zettl" scheitert auch Dörrie mit ihrem Berlin-Ausflug.

Filminfo
Filmbewertung enttäuschend 1/5
Filmname Glück
Originaltitel
Starttermin 23.02.2012
Regisseur Doris Dörrie
Genre Drama
Schauspieler Alba Rohrwacher
Schauspieler Vinzenz Kiefer
Schauspieler Matthias Brandt
Entstehungszeitraum 2011
Land D
Freigabealter 16
Verleih Constantin
Laufzeit 111 Min.





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