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Kino-Kritik: Die Unsichtbare

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teleschau - der mediendienst

8. Februar 2012

Niemand versteht, warum die Wahl auf sie fiel. Am wenigsten sie selbst: Fine, die Blasse mit dem scheuen Blick, die immer übersehen wird. Christian Schwochows Film "Die Unsichtbare" erzählt von einer Schauspielstudentin, die nie aus sich herausgeht, bis sie für eine Hauptrolle besetzt wird. Unter der Regie eines manischen Theater-Intendanten geht das Mädchen durch ihre Privathölle und lernt auf einen Schlag unerträglich viel über sich.


Doch zunächst geht Fine (Stine Fischer Christensen), die die Femme fatale "Camille" spielen soll, in ihrer Rolle auf. Ihre platinblonde Perücke aus dem Stück trägt sie auch privat, schlüpft in eine fremde Identität als Vamp, spielt auf der Straße weiter. Damit entfernt sie sich meilenweit von ihrem Alltag mit der überforderten, schroffen Mutter (beängstigend gut: Dagmar Manzel) und ihrer geistig behinderten Schwester Jule (Christina Drechsler), der im Drei-Personen-Haushalt alle Aufmerksamkeit gilt.

Wenn der berühmte Regisseur Kaspar Friedmann (Ulrich Noethen, ebenfalls sehr überzeugend) beginnt, an Fine zu glauben, verliert die 21-Jährige Stück für Stück den Boden unter ihren Füßen. Manchmal ist das befreiend, denn das schüchterne Mädchen mit der leisen Stimme zeigt endlich Mut. Doch immer öfter prangt in großen Lettern das Wort "Selbstzerstörung" über der Szene. Dabei ist ein Intendant begünstigend, der ohne erkennbare Skrupel andere an ihre Grenzen treibt, und alle Selbstzweifel im Alkohol ertränkt.

Die Dänin Stine Fischer Christensen brauchte eine Woche, um das Drehbuch zu lesen, denn sie sprach kein Deutsch und musste sich übersetzen lassen, was Christian Schwochow und sein Mutter Heide geschrieben haben. Sie spielte in Susanne Biers oscarnominiertem Drama "Nach der Hochzeit" und wurde bei der Berlinale 2008 zum "Shooting Star" gekürt, doch sie glaubte selbst nicht daran, dass sie die Rolle der Fine bekommen würde. War nicht Anna Maria Mühe naheliegender, die für Schwochow schon die Hauptrolle in "Novemberkind" spielte? Doch er wählte die Dänin.

Sie musste zwei Monate vor Drehbeginn die Sprache lernen, wunderte sich immer noch, dass sie ausgewählt wurde. Und diese Entscheidung war grandios. Nicht nur, weil Anna Maria Mühe mit lange nicht gesehener Leichtigkeit in einer Nebenrolle brillieren kann. Nicht nur wegen der wunderbar unstimmigen Chemie zwischen Noethen und der Hauptdarstellerin. Und auch nicht allein wegen der vielen Details, die Schwochow stets im Auge behält. Stine Fischer Christensen kann sich langsam entfalten, und mit ihr die Wucht und Vielschichtigkeit des Dramas.

Ärgerlich sind allerdings die zufälligen Berührungspunkte mit "Black Swan", die der kleinen Produktion mehr schaden als nutzen werden. Letztlich sind es bei genauem Hinsehen jedoch nur die Rahmenbedingungen, die sich ähneln. Während sich Darren Aronofsky eher der Kunst verschrieb, schaut Schwochow immer wieder zum Menschen, in ihn hinein.

Mit diesem Blick distanziert er sich vom vermeintlichen Pendant, denn er geht tief in den Familienkonflikt, betrachtet unterdrückte Wut und wirft alles Belastende kotzend und schreiend auf die Theaterbühne oder andere verfügbare Fußböden. An diesen Stellen ging Stine Fischer Christensen wie ihre Fine an ihre Belastungsgrenze - allerdings getragen von einem wunderbaren Ensemble und unterstützt von einem einfühlsamen Regisseur.

Filminfo
Filmbewertung ausgezeichnet 5/5
Filmname Die Unsichtbare
Originaltitel
Starttermin 09.02.2012
Regisseur Christian Schwochow
Genre Drama
Schauspieler Stine Fischer Christensen
Schauspieler Ulrich Noethen
Schauspieler Dagmar Manzel
Entstehungszeitraum 2011
Land D
Freigabealter 12
Verleih Falcom
Laufzeit 112 Min.





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