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© ARD / Georges Pauly
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Interview
Tessa Mittelstaedt - Da brodelt etwas
"Ich wurde noch nicht mit der Aufgabe der absoluten Hauptrolle betraut, aber ich arbeite gerade daran", sagt die quirlige Blondine, die durch ihre Rolle der Franziska Lüttgenjohann im Kölner "Tatort" einem großen TV-Publikum bekannt wurde. In ihrem neuen Projekt, der ARD-Serie "Morden im Norden" (ab 21.02., immer dienstags, 18.30 Uhr), hat es Tessa Mittelstaedt wieder mit dem Verbrechen zu tun: Die 37-jährige Wahl-Berlinerin spielt die kesse Staatsanwältin Elke Rasmussen.
teleschau: Bei "Morden im Norden" spielen Sie eine Staatsanwältin - aber immer noch keine Kommissarin!
Tessa Mittelstaedt: (lacht) Ja! Aber als ich die Bücher zur Serie las, hatte ich sofort Lust auf die Rolle. Denn Elke Rasmussen ist keine Staatsanwältin, wie man sie klischeehaft aus dem Fernsehen kennt: streng, böse, schimpfend. Vielmehr ist sie unglaublich lebendig und sexy. Eine moderne Frau mit einem unschlagbaren Humor, die einstecken kann.
teleschau: Sprechen Sie da auch von sich selbst?
Mittelstaedt: Nun, wir beide haben uns definitiv unser inneres Kind bewahrt, mit einer unbändigen Fröhlichkeit und viel Humor.
teleschau: Würden Sie dennoch einmal gerne eine leitende Kriminalbeamtin spielen?
Mittelstaedt: Ja, klar. Mich würde eine in ihrem Charakter widersprüchliche Frau interessieren, die für eine gute Sache kämpft, und das mit unlauteren Mitteln. Eine, deren Charakterzeichnung vielleicht erst verstört, sich aber im Laufe der Geschichte nachvollziehbar erklärt. Der Zuschauer akzeptiert Charaktere erst dann, wenn er die Beweggründe nachvollziehen kann, sie spiegelt und ins Fühlen kommt. Das beste Beispiel ist Lisbeth Salander aus der Stieg-Larsson-Trilogie.
teleschau: Was brodelt da in Ihnen?
Mittelstaedt: Ich bin Schauspielerin und möchte meine Grenzen ausloten. Kompakte und widersprüchliche Figuren sind natürlich wahnsinnig spannend. Diese fühlbar zu machen, ist für mich eine große Herausforderung und Freude. Auf der Bühne war ich zehn Jahre lang Protagonistin und durfte ganz unterschiedliche Charaktere spielen: von einer naiven Alice im Wunderland über eine kraftvolle Minna von Barnhelm hin zu einer jemanden in den Mord treibenden Hedda Gabler.
teleschau: Sind Sie vielleicht eine kleine Rebellin? Schließlich fahren Sie - wie Lisbeth Salander - Motorrad ...
Mittelstaedt: Ja, und das gegen den Willen meiner Mutter! Sie arbeitet im medizinischen Bereich und sagte mir: "Tessa, ich habe die Jungs gesehen, die Motorradunfälle hatten. Ich möchte nicht, dass du das machst." Ich wollte es aber unbedingt und habe den Führerschein gemacht. Es gab zum Beispiel ein Jahr, in dem ich die Elemente testen wollte: Luft, Wasser, Geschwindigkeit. So habe ich das Paragliding, das Tauchen und eben auch das Motorradfahren für mich entdeckt.
Da brodelt etwas
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"Mich würde eine in ihrem Charakter widersprüchliche Frau interessieren, die für eine gute Sache kämpft, und das mit unlauteren Mitteln", sagt Tessa Mittelstaedt, die in der neuen ARD-Serie "Morden im Norden" eine Staatsanwältin spielt.
© ARD / Georges Pauly
teleschau: Machen Sie alles gleich intensiv?
Mittelstaedt: Leider nein. Aber ich fahre regelmäßig Motorrad und versuche, in jedem Urlaub zu tauchen.
teleschau: Kostet Sie das Überwindung?
Mittelstaedt: Überhaupt nicht. All das macht mir große Freude. Den Wagemut habe ich von meinem Papa geerbt. Er war Kampfjetpilot.
teleschau: Wie war das Aufwachsen, wenn der Vater einen derart spannenden Beruf hat?
Mittelstaedt: Wir flogen einmal zusammen in einer Cessna. Irgendwann übergab er mir den Steuerknüppel und sagte: "Mach mal!" Sowohl mein Vater als auch meine Mutter sind mutige Menschen und haben immer an mich geglaubt.
teleschau: Sie wurden also auch nicht gebremst, als Sie Schauspielerin werden wollten?
Mittelstaedt: Ganz und gar nicht. Ich hatte die absolute Unterstützung. Mein Vater sah mich allerdings eher als Diplomatin. Meine Mutter mischte sich überhaupt nicht ein. Ich sollte das finden, das zu mir passt. Ursprünglich wollte ich Medizin studieren und Gynäkologin werden, bei "Ärzte ohne Grenzen" mitmachen. Das war damals mein ganz großer Traum. Dann kam aber plötzlich alles anders.
teleschau: Woran scheiterte Ihr Medizinstudium?
Mittelstaedt: Meine Klarinettenlehrerin und Mentorin sagte zu mir, als ich ihr erzählte, dass ich Medizin studieren wolle: "Tessa, ich sehe dich da nicht, Du gehörst auf eine Schauspielschule." Ich hörte also auf ihren Ratschlag, gab mir drei Anläufe. Bei der Westfälischen Schauspielschule klappte es.
teleschau: Haben Sie Ihren Werdegang je bereut?
Mittelstaedt: Das nicht. Dennoch mache ich mir Gedanken. Ich habe Ärzte im Freundeskreis und sehe, was sie leisten und was ich im Vergleich leiste. Gerade wenn wieder etwas Schlimmes in der Welt passiert, denke ich mir schon: Was ist der wertvollere Beruf - Menschen retten oder Menschen unterhalten? Eine richtige Antwort auf die Frage habe ich nicht. Beides passt wahrscheinlich zu seiner Zeit.
teleschau: Sie machten Ihre ersten schauspielerischen Schritte am Theater. Das Fernsehen folgte, jetzt auch das Kino. Wo liegt für Sie die Herausforderung?
Mittelstaedt: Auf der Bühne ist es meine Aufgabe, mit theatralischen Mitteln Menschen sofort in meinen Bann ziehen, zu unterhalten und zu berühren. Für das Kino braucht man komplett andere Werkzeuge. Eine zurückgenommene Authentizität in jedem Moment. Nicht spielen sondern aufrichtiges Sein. Das ist für mich zur Zeit die größte und spannendste Herausforderung.
teleschau: Würden Sie wieder zurückkehren wollen?
Mittelstaedt: Für ein tolles Stück auf jeden Fall. Theater ist für jeden von der Bühne kommenden Schauspieler wie eine Rückkehr zur Basis, eine elementare Erdung.
teleschau: Mit welcher Figur möchten Sie einmal gerne im Mittelpunkt stehen?
Mittelstaedt: Es macht mir eine große Freude, mich mit Frauenfiguren in historischen Geschehnissen auseinanderzusetzen. Wie zum Beispiel Melitta von Stauffenberg oder Franziska von Reventlow - das finde ich großartig! Außerdem habe ich einen Stoff, der mir sehr am Herzen liegt und der seit zwei Jahren in mir gärt. Es geht um die Überforderung der Frau zwischen 30 und 40. Gehe ich meinen beruflichen Weg, oder will ich eine Familie? Bekomme ich vielleicht beides unter einen Hut? Bei so großer Freiheit, Familie, Kinderwunsch, Beruf, Leben - welcher ehrliche Lebensentwurf passt zu mir? Und bin ich mutig genug, mich für diesen zu entscheiden?
teleschau: Wie sieht es bei Ihnen selbst aus - rückt die Familienplanung in greifbare Nähe?
Mittelstaedt: (grinst) Die Voraussetzungen dafür sind geschaffen.
teleschau: Wie schwierig ist es in Ihrer Branche tatsächlich, Familie und Beruf unter einen Hut zu bekommen?
Mittelstaedt: Die Situation für schwangere Schauspielerinnen ist nicht so positiv zu bewerten. Wir haben kein soziales Netz, dass uns auffängt, weil wir immer nur kurzfristig angestellt sind. Aber wenn es bei mir so weit sein sollte, sind wir ja zu zweit - das schaffen wir schon.