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© ZDF / Umberto Adaggi
© ZDF / Umberto Adaggi
Interview
Silke Bodenbender - Fasziniert von Südafrika
Davon, dass Silke Bodenbender eigentlich als schüchterne Frau gilt, ist nichts zu spüren. Freundlich, aufgeschlossen und eloquent gibt sich die junge Mutter - ihr Sohn Victor wird im Frühjahr zwei Jahre alt - im Interview. Ihre sanfte Art spiegelt sich auch in ihrer Rolle im ZDF-Film "Die Löwin" (Montag, 2. Januar 2012, 20.15 Uhr) wider.
Die Schauspielerin, die am 31. Januar 2012 ihren 38. Geburtstag feiert, spielt die Ärztin Lena, die ihre Kindheit in Südafrika verbracht hat und die Fähigkeit hatte, mit den Löwen zu kommunizieren. Im Interview spricht die blonde Wahlberlinerin über ihr Leben als Mutter, ihr "Friedhof der Kuscheltiere"-Trauma, und sie verrät, wie es war, sieben Wochen neben einem Nilpferdteich zu wohnen.
teleschau: Frau Bodenbender, wie wildromantisch war der Dreh in Afrika wirklich?
Silke Bodenbender: Am Anfang war ich schon ein bisschen enttäuscht. Südafrika wirkte auf mich wie eine Mischung aus Spanien und den USA. Überall Leuchtreklamen, Mauern und Shopping-Malls. Doch als wir immer weiter in den Busch kamen, war ich unglaublich fasziniert von der Weite und Schönheit.
teleschau: Wie lebten Sie vor Ort?
Bodenbender: Wir waren auf einer Farm untergebracht, auf der wir auch drehten. Meine Familie und ich bewohnten eine Hütte direkt am Nilpferdteich. Wenn wir auf der Terrasse saßen, konnten wir die Nilpferde beim Schwimmen beobachten. Wir wussten aber, wenn sie sich aus dem Tümpel heraus bewegen, sollten wir lieber ins Haus verschwinden. So schwerfällig sie aussehen, Nilpferde sind nicht ungefährlich.
teleschau: Sie drehten auch mit vielen anderen Tieren. Hatten Sie Berührungsängste?
Bodenbender: Zumindest hatte ich gesunden Respekt. Ich fand allerdings gar nicht mal die Löwen so aufregend, sondern vielmehr die Elefanten. In einer Szene musste ich nur an ihnen vorbeigehen, doch mir klopfte das Herz. Man muss sich immer wieder klarmachen, dass das wilde Tiere sind.
teleschau: Stimmt es, dass auch Schlangen am Set waren?
Bodenbender: Ja, aber zu denen habe ich mich nicht hingetraut, weil nicht gleich klar war, ob sie gefährlich sind oder nicht. Das war mir zu heikel.
teleschau: Sie sind mit Ihrem Partner und Ihrem gerade eineinhalbjährigen Sohn nach Afrika gereist. Haben Sie wegen des Kindes lange überlegt, ob Sie die Rolle übernehmen sollen?
Bodenbender: Auf jeden Fall. Ich nahm mir für die Entscheidung Zeit, sprach mit unserer Kinderärztin und überlegte mit meinem Freund hin und her. Aber da es medizinisch keine Bedenken gab, dachten wir uns am Ende: "Wann bekomme ich sonst noch einmal die Chance, mit wilden Tieren zu drehen?"
teleschau: Sie gönnten sich nach der Geburt keine ausgiebige Babypause, sondern drehten bereits vier neue Filme ...
Bodenbender: Ich hätte länger pausieren können, wenn der erste Film, der mir nach einem halben Jahr angeboten wurde, nicht so ein Traumprojekt gewesen wäre. Ich wünschte mir schon lange, einmal mit dem Regisseur Matthias Glasner zu arbeiten - und das Buch zu "Die Stunde des Wolfes" faszinierte mich, weil es so gegen die Fernsehgewohnheiten geschrieben war. Zum Glück habe ich einen Partner, der Freiberufler ist und mich und das Kind gern begleitete, sonst hätte ich nicht zugesagt. Danach machte ich wieder ein halbes Jahr Pause.
"Da kann es passieren, dass ich knallrot dasitze"
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Mutige Mama: Silke Bodenbender brachte vor fast zwei Jahren ihren Sohn Victor zur Welt. Der Kleine begleitete die Schauspielerin auch zum Dreh nach Südafrika.
© ZDF / Umberto Adaggi
teleschau: Wie hat sich Ihr Leben mit dem Kind verändert?
Bodenbender: (überlegt) In erster Linie hat mein Sohn es auf jeden Fall bereichert. Früher hätte ich 24 Stunden nur für den Beruf leben können. Ich fand es immer spannend, unterwegs zu sein und mich intensiver mit meinen Rollen zu beschäftigen, als es vielleicht notwendig war. Jetzt habe ich viel mehr Lust, auch mal zu Hause zu bleiben.
teleschau: In welcher Entwicklungsphase ist Ihr Kind gerade?
Bodenbender: Wir haben die Kita-Eingewöhnung hinter uns, was toll ist, weil wir wieder mehr Zeit für uns haben und er dort richtig aufblüht. Ich bin froh, dass man für sein Kind in Berlin so früh eine Tagesstätte findet. Das funktioniert wirklich gut: Dort kann er mit Kindern verschiedenen Alters spielen und in einem riesigen Garten toben, den wir ihm nicht bieten können.
teleschau: Sie selbst sind auch sehr behütet aufgewachsen und hatten als Kind beispielsweise keinen Fernseher.
Bodenbender: Ich war immer viel an der frischen Luft und ging schon mit jungen Jahren ins Theater. Sicher verstand ich manchmal nicht, warum ich Dieses oder Jenes nicht im Fernsehen anschauen durfte - meine Eltern hatten ja ein Gerät im Wohnzimmer.
teleschau: Was hatten Ihre Eltern denn dagegen?
Bodenbender: Ich glaube, sie fanden das meiste, was dort lief, einfach nicht kindgerecht - wahrscheinlich hatten sie auch recht. Aber es passierte sogar, dass ich mit Freundinnen ins Kino wollte und wir nach einer Ausweiskontrolle nicht reinkamen, weil meine Mutter vorher angerufen hatte, um den Betreiber quasi vorzuwarnen (lacht). Das war bitter. "Friedhof der Kuscheltiere" habe ich bis heute noch nicht gesehen.
teleschau: Sie sagen, dass Sie ein schüchternes Kind waren, und trotzdem trauten Sie sich schon in der Schule auf die Theaterbühne ...
Bodenbender: Ich empfinde eigentlich sogar viele Theaterschauspieler als schüchterner als meine Fernsehkollegen. Dort ist man gut behütet vor der Öffentlichkeit: Man probt wochenlang, steigt in eine Rolle ein und verkörpert am Ende eine Figur mit der man auf die Bühne geht. In der Vorbereitung hat man ein Gerüst um sich gebaut, so dass der Auftritt einem nichts mehr ausmacht und man ganz ungezwungen mit dem Publikum agieren kann.
teleschau: Als Fernsehschauspielerin sind Sie jedoch auch als Privatperson gefragt.
Bodenbender: Mein erstes Interview gab ich vor sechs Jahren und fand es ganz schrecklich. Was das angeht, bin ich besser geworden, doch auf einem Podium könnte ich immer noch nicht reden. Ich musste mich auch zwingen lassen, in Talkshows zu gehen - da kann es passieren, dass ich knallrot dasitze und ein Blackout habe.
teleschau: Als Sie in Ihren Beruf einstiegen, bewarben Sie sich an vielen Schauspielschulen und bekamen immer wieder Absagen. Hat Sie das nicht demotiviert?
Bodenbender: Nein. Ich flog immer erst in der Endrunde raus, wenn nur noch nach Typen ausgesucht wurde - ein "Gretchen", eine "Lady Milford" und so weiter. So sah ich das zumindest. Da passte ich wohl oft nicht rein, aber ich wurde immer ermutigt, weiterzumachen. Wenn man mich immer schon ganz zu Anfang nach Hause geschickt hätte, hätte ich vielleicht nicht den Mut gehabt, durchzuhalten.
teleschau: Redeten Familie und Freunde Ihnen auch gut zu?
Bodenbender: Mein Vater erzählt immer wieder die Geschichte, wie er just an dem Tag, an dem ich beschloss, auf die Schauspielschule zu gehen, die Arbeitslosenzahlen von Nordrhein-Westfalen bekommen hatte. Die höchste Quote lag bei den Schauspielerinnen. Als ich ihm meinen Plan für das Studium unterbreitete, war er so geschockt, dass er zwei Stunden lang auf mich einredete, dass ich mir doch einen Beruf mit Perspektive überlegen soll.
teleschau: Am Ende hat er Sie dennoch unterstützt?
Bodenbender: Er wusste genau, dass ich nichts anderes werden wollte. Wenn meine Eltern mich nicht ermutigt hätten, hätte ich vielleicht nicht durchgehalten.
teleschau: Während der Schulzeit standen Sie bereits mit einem Musical auf der Bühne, und auch heute singen Sie in Filmen immer mal wieder, wie zuletzt in "Weihnachtsengel küsst man nicht".
Bodenbender: Damals fand ich das toll, (überlegt) heute nicht mehr. Ich muss mich immer wieder überwinden und plane sicher keine Zweitkarriere (lacht).