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© Christian Hartmann
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Der letzte Einzelkämpfer
Nachruf: Vadim Glowna ist mit 70 Jahren gestorben
Er wuchs als sogenanntes "Schlüsselkind" im zerbombten Nachkriegshamburg auf. Später fuhr er zur See, lebte als Clochard in Paris und gelangte auf geradezu wundersame Weise zur Schauspielerei, die ihn bis nach Hollywood führte. Ein halbes Jahrhundert lang war Vadim Glowna eines der profiliertesten Gesichter des deutschen Films, jetzt ist der Schauspieler, Regisseur, Drehbuchautor und Produzent im Alter von 70 Jahren in seiner Wahlheimat gestorben. Wie seine Agentur mitteilte, erlag Vadim Glowna in einem Berliner Krankenhaus einer kurzen, schweren Krankheit.
Vergangenen September feierte Glowna bei Dreharbeiten im süditalienischen Apulien seinen 70. Geburtstag. "Manchmal grübelt man schon", bekannte der Filmemacher damals, der zuletzt im Serienerfolg "Borgia" als Kardinal im ZDF zu sehen war: "Es ist ja nicht 50 oder 60. Und ich habe noch viel vor."
Tatsächlich zählte Vadim Glowna bis zuletzt zu den umtriebigsten und international renommiertesten Filmemachern Deutschlands. Nur mitbekommen haben das hierzulande nicht alle. "Ich wurde gerade zum dritten Mal für einen Oscar vornominiert", haderte der Regisseur des kunstfertigen Überseeerfolgs "Das Haus der schlafenden Schönen" (2006): "Das weiß hier kein Mensch. Es interessiert sich auch keiner dafür."
Für seine Art Filme Geld zu akquirieren, sei im deutschen Filmbetrieb nicht ganz leicht, beklagte sich Glowna über die Risikoarmut der Sendergremien und Finanziers. "Wenn jemand ein bisschen unbequem ist so wie ich, dann hat man das nicht so gern", sagte der Mann, der auf dem Kiez groß wurde: "Ich bezeichne mich mit Stolz als Einzelkämpfer."
Vadim Glowna hat schon früh gelernt, was es heißt, auf sich allein gestellt zu sein. Als Hamburger "Schlüsselkind" - der Vater fuhr zur See, die Mutter arbeitete - hatte er den Tag für sich allein. "Ich kam mit den verwegensten Leuten in Kontakt. Von Spießern über Prostituierten bis zu Kriminellen." Eine Prügelei mit dem jungen John Lennon vor den Toren des Star-Club - es ging natürlich um ein Mädchen - ist legendär. Ein anderes Handgemenge mit dem Schulleiter führte zum Schulverweis und zwang ihn vorübergehend, eine kaufmännische Lehre im Betrieb des Großvaters zu machen.
Der letzte Einzelkämpfer
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"Ich bezeichne mich mit Stolz als Einzelkämpfer": Jetzt ist der international renommierte Schauspieler und Filmemacher Vadim Glowna gestorben.
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Vadim Glowna aber reizte die weite Welt, zweimal fuhr er zur See, schließlich lebte er ein Jahr in Paris und Südfrankreich "von Mundraub und Gelegenheitsarbeiten", ehe ihn die Theaterikone Jean-Louis Barrault fürs Schauspiel begeisterte. Zurück in Hamburg "mogelte" er sich, eigentlich als Statist angestellt, ins Ensemble des großen Gustaf Gründgens. Ab Mitte der 60er-Jahre folgten Engagements für Film und Fernsehen. 1977 spielte er im Hollywoodfilm "Steiner - Das Eiserne Kreuz" an der Seite von James Coburn und Maximilian Schell.
Mit dem Regisseur des Films, dem berüchtigten Sam Peckinpah, verband ihn eine innige, wenn auch komplizierte Freundschaft. Peckinpah und Glowna sagten "Sohn" und "Vater" zueinander. Der exzentrische Hollywoodrebell, berichtete Glowna, habe auch den Weckruf für seine eigene Regiekarriere gegeben. 1981 drehte Glowna das Kiezdrama "Desperado City", das im selben Jahr in Cannes mit der Caméra d'Or geehrt wurde.
Bereits ein Jahr zuvor hatte Glowna mit seiner damaligen Ehefrau, der Schauspielerin Vera Tschechowa, die Produktionsfirma Atossa-Film gegründet. Die finanzielle und künstlerische Unabhängigkeit blieb dem passionierten Außenseiter das höchste Anliegen: "Weil sie so viel Unterstützung durch die Sendergremien und die Länder erfahren, ist der finanzielle Erfolg vielen Filmemachern gar nicht so wichtig", klagte er: "Ich finde aber, Erfolg ist wichtig. Nicht, um Geld zu machen. Sondern um Geld zu verdienen, damit man unabhängig den nächsten Film machen kann."
Insgesamt wirkte Vadim Glowna an mehr als 150 TV- und Kinoproduktionen als Schauspieler mit. 14 Filme und Serienepisoden inszenierte er selbst. Keine schlechte Bilanz für einen Selfmademan, der ursprünglich mal Theologie studieren wollte und von einer Missionarslaufbahn in Afrika oder Südamerika träumte. "Ich beschäftige mich noch heute hin und wieder mit theologischen Fragen", bekannte Glowna vergangenes Jahr, anlässlich seines 70. Geburtstags: "Nicht um ein priesterliches Amt zu übernehmen oder Mönch zu werden. Aber wenn es um Fragen nach dem Sinn des Lebens geht, kommt man nicht drum herum."