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29. Januar 2012
Hintergrund: Michael Degen - Erfolg mit viel Charakter Bild vergrößern 680 1020 http://img3.magnus.de/image-r680x1020-C-6976a1ef-51637130.jpg © ZDF / Nir Shaarani
© ZDF / Nir Shaarani
Hintergrund

Michael Degen - Erfolg mit viel Charakter

Er konnte im Fernsehfilm "Geheime Reichssache" 1987 der "Führer" Adolf Hitler sein - und nicht viel später der von Damen umringte Lebemann in der Werbung eines traditionellen Kölner Duftwässerchens: Michael Degen, der nun (am 31.01.) unglaubliche 80 Jahre alt wird, war als Schauspieler immer wieder für eine Überraschung gut und lavierte mit erstaunlichem Geschick zwischen Charakterfach und Quoten-Sonntagsfilmen à la Pilcher beim ZDF.

Mit seiner 2006 von der ARD verfilmten Autobiografie "Nicht alle waren Mörder" wurde Degen, der als Jude die Nazis im Berliner Versteck überlebte, noch berühmter als ohnehin. Zuletzt stand er für Margarethe von Trottas biografischen Spielfilm "Hannah Arendt" (Start im Oktober 2012) vor der Kamera. Seine Doppelbegabung bewies Degen auch mit der Romanbiografie "Familienbande" über den jüngsten Thomas-Mann-Sohn, Michael Mann.

Filme mit Michael Degen, den fast alle als den eitlen Vice-Questore Patta aus bislang 15 Filmen des ARD-Krimis "Donna Leon" kennen, sind sehr oft Gratwanderungen zwischen Melodram und Thriller oder gar Arztroman. In einem dieser Filme, "Das wilde Mädchen", war Degen schon in den 90-ern ein angegrauter, am Sinn seines Berufes zweifelnder Psychiater. Ein schwer erziehbares Mädchen von animalischer Wildheit half das Arztdilemma lösen, es kam zu einer Liebesbeziehung ohne Happy-End, der Zuschauer musste unweigerlich an das traurige Ende von Heinrich Manns "Professor Unrat" denken.

"Ich selbst könnte nie ein Psychiater sein, denn ich würde nie so tief in die Seele und das Privatleben anderer Leute eindringen wollen", erklärte Degen anlässlich des Films. Gleichwohl lieferte er bereits früh auf der Theaterbühne immer wieder beeindruckende Psychostudien. Unter Ingmar Bergman spielte er 1983 den "Hamlet", in Peter Zadeks "Ghetto" verkörperte er den Vorsitzenden des Wilnaer Judenrates, im Wiener "Theater in der Josefstadt" brillierte er 1988 als Schnitzlers "Professor Bernardi". Seine ersten schauspielerischen Schritte unternahm Michael Degen 1954 gar in Bertolt Brechts "Berliner Ensemble".


In den 80er-Jahren machten ihn Fernsehfilme wie Dieter Wedels "Mittags auf dem roten Platz", Egon Monks "Die Geschwister Oppermann" oder Peter Beauvais' "Die ewigen Gefühle" auch einem breiten Publikum bekannt. In Künstlerkreisen sorgten seine Engagements in beliebten TV-Serien wie "Diese Drombuschs" oder "Auto Fritze" allerdings für ungläubiges Kopfschütteln: Wie kann ein Darsteller dieser Güteklasse sich so unter Wert verkaufen? Degen selbst sah das eher gelassen: Die Bezahlung sei gut, und außerdem - da wird er geradezu sendungsbewusst - "muss ein guter Schauspieler heute in Serien mitmachen, um deren allgemein schlechtes Niveau ein Stück anzuheben".

Degen weiß seine heutigen Privilegien zu schätzen. Einst entkam er nur knapp dem KZ Sachsenhausen, das sein Vater nach Foltern nicht überlebte. Nach dem Kriegsende schien es ihm unmöglich, in Deutschland zu leben. Mit 17 ging er nach Israel, leistete dort Militärdienst und spielte Theater. Wegen starker Sprachprobleme kehrte er allerdings bald in die Bundesrepublik zurück. Seitdem gehörten Drohbriefe zum Alltag des Künstlers. So hieß es 1986 in einem: "Wir werden Dich auf offener Bühne erschießen". Eine Ankündigung, die Michael Degen dazu zwang, sein damaliges Engagement am Hamburger Schauspielhaus auf Eis zu legen. Erlebnisse wie dieses haben den jetzt 80-Jährigen nachhaltig geprägt: "Morgen heißt es vielleicht schon 'Juden im Fernsehen verboten', und ich bin nicht mehr in der Lage, die Verträge zu erfüllen", sagte er, ein unermüdlicher Warner.

Degen, vierfacher Familienvater, wohnt mit seiner dritten Frau in Hamburg, weilt aber auch immer wieder in Berlin. Einer Stadt, der er in besonderer Weise verbunden ist. "Hin und wieder zweifle ich am Sinn meiner Arbeit", gibt der unerschrocken reflektierende Selbstdenker zu. Und erinnert sich: "Ein befreundeter Arzt hat mir einmal erzählt, dass seine Klinik für die Anschaffung einer Eisernen Lunge bereits seit Jahren um finanzielle Zuschüsse vom Senat bettelte. Die Theater werden trotz einiger Abstriche viel großzügiger unterstützt. Das gibt einem ganz schön zu denken."



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