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27. Januar 2012
Hintergrund: Julia Brendler - Lust auf das Spiel im Spiel Bild vergrößern 680 470 http://img2.magnus.de/image-r680x470-C-ea7fa9a-51451017.jpg © ARD Degeto / Erika Hauri
© ARD Degeto / Erika Hauri
Hintergrund

Julia Brendler - Lust auf das Spiel im Spiel

Wäre da nicht auch noch Heinz Hoenig, der mit Humor und Körpermasse alles an sich abprallen lässt, was die ach so mitreißende Handlung der Deutsch-Komödie "Manche mögen's glücklich" (Freitag, 27.01., 20.15 Uhr, ARD) sonst so bietet, die zierliche Schauspielerin Julia Brendler trüge mit ihrer komödienträchtigen Energie alles fast allein. Brendler ist eine Komödiantin von der Sorte, die einen Film "retten" kann. Und wenn sie die seichte Story von der Agenturlady, die den geliebten Chef verliert, aber einen neuen Mann hinzugewinnt, auch vielleicht nicht zu einem richtigen Happy End führen kann, so bleibt sie doch die unterhaltsame Ausnahme in einem Fernsehfilm, der ansonsten häufig gähnen lässt.

Die Liste der Film- und Fernsehrollen der Schauspielerin Julia Brendler (36) ist so lang wie der berühmte Jakobsweg. Versteht sich, dass unter den Titeln seit einem denkwürdigen Datum 1989 auch viele Episoden- und Nebenrollen sind. Die sprichwörtliche Präsenz der Schauspielerin bringt es offensichtlich mit sich, dass man sie jederzeit gerne in Krimis und anderen Serien besetzt - vom "Tatort" bis zu "SOKO Leipzig" und "Ein Fall für zwei".

Dass dann aber in einem ZDF-Text - anlässlich der Krimikomödie "Nord Nord Mord" mit Robert Atzorn - zu lesen steht, sie tanze "auf jedem Parkett", ist dann wohl doch verfehlt. Klar ist Julia Brendler auf den taffen Kumpel- oder Muttertyp geeicht: der berühmte Typ, mit dem man Pferde stehlen kann. Auch in "Manche mögen's glücklich" ist sie mal wieder so besetzt: mitreißend, wenn sie auf ihrem Fahrrad durch die Universitätsstadt Freiburg fährt oder den kleinen Jungen des neuen Herzprofessors betreut, um den man am örtlichen Herzforschungsinstitut so mächtig buhlt. Natürlich kriegt sie am Ende den Richtigen - eben den Professor, der vor Jahren seine Frau verlor.

Wenn man mit Julia Brendler spricht, bekommt man unweigerlich das Gefühl, dass sie auch im richtigen Leben mit beiden Beinen auf dem Boden steht. "Lebt in Berlin und hat zwei Kinder", steht in ihrer Biografie. Die Kinder, Sohn und Tochter, sind jetzt sieben und neun Jahre alt. Sie hat, nebenbei bemerkt, auch einen Mann, von dem die Kinder sind und mit dem sie in Berlin zusammenlebt. Er ist Fotograf und Bühnenbildner. Ausgerechnet Bühnenbildner: Dabei hat Julia Brendler noch nie auf einer Theaterbühne gespielt.


Mit 14 wurde sie 1989 bei einem Casting in ihrer Heimatstadt Schwedt an der Oder (Uckermark) vom DEFA-Regisseur Helmut Dziuba für den Film "Verbotene Liebe" entdeckt. Es ging um eine 13-Jährige, die sich in einen 18-jährigen Jungen verliebt - Skandal vorprogrammiert. "Für einen DEFA-Spielfilm werden gesucht: Junge, mutige Damen von zwölf bis 14 und junge Herren von 16 bis 18", hatte damals in der Zeitung gestanden. Sie meldete sich: "Endlich war was los in Schwedt!", und sie bekam die Rolle. Sie hatte damals "am besten reingepasst", wie sie sagt. Und die Mutter hatte auf Nachfrage dem gestandenen Kinder- und Jugendfilmer Dziuba gesagt: "Klar, die Julia kann das machen."

"Ich bin in der Lage, meine Gefühle nach außen zu tragen, was für andere ein Horror wäre", so begründet sie ihr naturgegebenes Talent. In der Vorbereitung auf einen Film lässt sie die Rolle "mit sich leben". Sie fragt sich dann immer wieder: "Wie würde die Rolle in dieser oder jener Situation wohl reagieren?"

Die 36-jährige Schauspielerin hat nie eine Schauspielschule besucht, sie ist "so reingerutscht" in den Beruf, wie sie sagt. Nach dem Abi, als sie nach Berlin ging, überlegte sie immer wieder, ob sie doch noch studieren soll. Sie hat dazu verschiedene Meinungen eingeholt. "Aber die gingen ganz auseinander."

Die Rolle der Agenturhelferin Lina Baumann im ARD-Film nahm sie an, weil ihr der Komödienstoff gefiel: Sie spielt "verheiratet", ohne verheiratet zu sein. Sie habe "Lust auf das Spiel im Spiel", sagt sie - darauf, dass "ich auch in der Rolle noch was spielen durfte".

Sie wägt ihre Rollen ab, hat im letzten Jahr "eher weniger gedreht". Ende Januar hat ihr Film "Schuld sind immer die anderen" beim Max-Ophüls-Festival Premiere. Es geht um eine Sozialarbeiterin und einen schwierigen jungen Freigänger, den sie zu betreuen hat, beide haben miteinander eine komplizierte Vergangenheit. Filme wie dieser Erstling haben für sie eine große Bedeutung. Sie will über die Runden kommen und doch darauf achten, dass sie sich nicht mit Stereotypen verkauft. Manchmal fühlt sie sich am Set alleingelassen: Wenn sie spürt, "dass noch mehr rauszuholen wäre aus einer Szene, dass man aber nicht die Zeit oder den Willen dazu hat".

Ihr Karrierestart fiel mit dem Untergang der DDR zusammen. Damals, als sie für "Verbotene Liebe" 1990, mit 15 wohlgemerkt, den Hessischen Filmpreis bekam. Dass da "was faul" war daheim in der DDR, war ihr klar: "Das wurde auch im Elternhaus vermittelt." Die Eltern (Vater Mikrobiologe) leben noch heute an der Oder, wenn auch nicht mehr im damaligen Plattenbau, der inzwischen abgerissen ist. Sie kommen häufig nach Berlin, passen auf die Kinder auf. Julia Brendler selbst reist gerne mit der Familie, sie macht sich dann mit Mann und Kindern "in einem kleinen Wohnmobil" auf den Weg an die Küste. Sie ist ein Fan Norwegens, möchte bald mal wieder das Nordkap sehen.

"Es hätte so'n hübsches Oderstädtchen sein könn'", sagt Julia Brendler über Schwedt, ihre Heimatstadt, und die Plattenbauten. "Die Gegend ist traumhaft". Und sie berlinert dabei nicht schlecht. "In Schwedt berlinert man mehr als in Berlin", muss man wissen. Der Vater hatte in ihrer Kindheit bestimmt, "dass zu Hause Hochdeutsch gesprochen wird". - Es dürfte der erste Schritt zur erstaunlichen Karriere der Schauspielerin Julia Brendler gewesen sein.



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