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© ARD Degeto / Werner Dittmair
© ARD Degeto / Werner Dittmair
Hintergrund
Henry Maske - Der Unbeirrbare
Blauäugig ist Henry Maske nie an eine Aufgabe herangetreten. Nicht im Ring, wo sich der "Gentlemanboxer" immer mehr auf Taktik und Kalkül verließ denn auf die limitierte Schlagkraft. Und auch nicht in seiner Karriere danach, die er nicht minder erfolgreich als Franchise-Unternehmer und Motivationscoach bestreitet. Und dann das: Henry Maske spielt Max Schmeling unter der Regie von Uwe Boll.
Als diese Meldung 2008 die Runde machte, wusste auch der gebürtige Brandenburger, dass nicht wenige an seiner Vernunft zweifeln würden. "Da hat mancher gemeint, dass ich 'nen Knall hätte", lacht der heute 48-Jährige im Rückblick. Maske aber nahm wacker Schauspielunterricht und ließ sich nicht beirren. Im Herbst 2010 kam "Max Schmeling" ins Kino - und lockte nicht einmal 20.000 Zuschauer vor die Leinwand. Nach dem kapitalen Kinoflop folgt am Samstag, 4. Februar, die TV-Premiere im Ersten - um 00.30 Uhr in der Nacht!
Natürlich ist die späte Sendezeit für die Filmemacher ein weiterer Tiefschlag, ums in der Boxersprache zu sagen. Samstag, eine halbe Stunde nach Mitternacht - viele werden da nicht einschalten. Da hilft es auch wenig, dass die ARD die Filmbiografie über den legendären Schwergewichtsweltmeister im Anschluss an eine Boxübertragung ausstrahlt. Yoan Pablo Hernández (der im Film Joe Louis spielt) gegen Steve Cunningham. Wie ein Straßenfeger klingt das nicht.
Der Hauptdarsteller des teils harsch verrissenen, teils aber auch mit Milde bewerteten Biopics wird das Ganze wahrscheinlich sportlich sehen: "Ich bin ein realistischer Mensch", sagt Maske über sich: "Aber ich will eben nicht jedem alles um jeden Preis recht machen." Eine Einstellung, so glaubt er, die ihn mit seinem großen Vorbild Max Schmeling verbindet. Auch der habe sich nie verbiegen lassen und immer gewusst: "Wenn man sich seinen persönlichen Vorstellungen entsprechend präsentieren kann, hat man schon viel erreicht."
Maske spielt Schmeling - so gesehen macht die Konstellation schon Sinn: Der Fan und sein Fürsprecher, die beiden wichtigsten Namen im deutschen Boxsport. Ein paar biografische Parallelen gibt es auch. Beide stammen aus dem Osten - Schmeling aus der Uckermark, Maske aus Brandenburg. Beide entdeckten über Boxerfilme die Liebe zum Sport. Beide sind Familienmenschen (Maske lebt in zweiter Ehe mit den Töchtern Lina und Sara in Overath bei Köln). Beide behaupteten sich nach dem Karriereende erfolgreich als Unternehmer, beide wagten ein Comeback und einen spektakulären Rückkampf. Schmeling verlor 1938 seinen gegen Joe Louis schon in der ersten Runde. Maske revanchierte sich 2007 für die Niederlage gegen seinen letzten Gegner Virgil Hill. "Ich habe das nie als Genugtuung gesehen", versichert Maske heute: "Es war einfach eine richtig geile Nummer. Es war verrückt, und deswegen war es so gut."
Der Unbeirrbare
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Sieht dem Vorbild Max Schmeling verblüffend ähnlich: Henry Maske bereitete sich über Monate hinweg auf seine Rolle vor.
© ARD Degeto / Werner Dittmair
Vielleicht hat man sie ja immer ein bisschen unterschätzt, die "verrückte" Seite der stets so beherrschten deutsch-deutschen Integrationsfigur mit der blitzsauberen Schlagtechnik und der Bilderbuchkarriere. Mit sieben stand Klein-Henry zum ersten Mal im Ring, mit 14 Jahren wurde er DDR-Jugendmeister. Später wurde er dann unter den Fittichen von Trainer Manfred Wolke Amateur-Weltmeister und gewann olympisches Gold. Nach der Wende wechselte Maske ins Profilager und weckte viel Begeisterung. Spätestens als der große Max Schmeling seine Anerkennung aussprach, wurde durch Maske das Boxen hierzulande wieder gesellschaftsfähig und war kein Synonym mehr für brachiales K.o.-Schlägertum.
Fans und Freunde nannten ihn den "Gentlemanboxer", und "sein" Sender RTL war begeistert, weil auch ein noch so überlegener Maske meist über zwölf Runden mit elf Werbepausen ging. 1993 wurde der Halbschwergewichtler erstmals Profi-Weltmeister und "Sportler des Jahres". Drei Jahre später nahm er mit der Niederlage gegen Virgil Hill Abschied, das Comeback von 2007 hätte er eigentlich nicht nötig gehabt.
Denn Maske war da schon längst im Leben nach der Profilaufbahn angekommen. Unter dem Motto "Junge Menschen brauchen faire Chancen" zeigt er bis heute soziales Engagement. Als Gastreferent hält er Vorträge zum Thema Eigenmotivation und persönliche Zielsetzung. Im Jahr 2000 eröffnete er im Leverkusener Fußballarenakomplex eine McDonald's-Filiale.
"Es ist das erste Mal, dass der Gentlemanboxer einem richtig was in die Fresse gibt", stichelte damals Harald Schmidt, wodurch sich der ehrgeizige Brandenburger natürlich nicht beirren ließ. Zuletzt eröffnete Maske im Dezember 2010 gemeinsam mit Oliver und Alessandra Pocher eine weitere McDonald's-Filiale in Köln-Kalk: seine insgesamt zehnte.
"Als Unternehmer genoss er große Beliebtheit bei Mitarbeitern und im Umfeld", erkennt Maske auch in seiner neuen Berufung ein Vorbild in Max Schmeling. Der Übervater bleibt also eine Leitfigur, eine Triebfeder, die es vielleicht auch braucht, da die sportlichen Herausforderungen kleiner geworden sind. Zuletzt trat Henry Maske in der ARD-Show "Klein gegen Groß" bei Moderator Kai Plaume gegen die elfjährige Kira an: im Seilspringen.