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26. Januar 2012
Hintergrund: "Gottschalk Live" kämpft mit Kritik Bild vergrößern 680 446 http://img2.magnus.de/image-r680x446-C-5e8726c2-51788254.jpg © ARD / Max Kohr
© ARD / Max Kohr
Hintergrund

"Gottschalk Live" kämpft mit Kritik

"Man kommt sich ja vor, als würde man Boxen bei RTL schauen", brachte es User Gordon im Forum von "Gottschalk Live" auf den Punkt: Die Werbeunterbrechungen in Thomas Gottschalks neuem Talkformat (Montag bis Donnerstag, 19.20 Uhr) nerven, da waren sich die Zuschauer nach der ersten Sendung einig - und machten ihrem Ärger Luft.

Auf der Facebookseite und der Homepage des Formats, bei Twitter, ja, selbst im anschließenden Live-Chat mit Thomas Gottschalk. So hatte sich die ARD das mit der Social-Media-Einbindung sicher nicht vorgestellt. Aber sie versucht, das Beste daraus zu machen.

Ganz rund lief das bei der Premiere ja wirklich nicht, das musste - angesichts der überwältigenden Reaktion des Onlinepublikums - auch die ARD einräumen: Die erste Sendung sei eher "eine technische Probe" gewesen, formulierte Thomas Gottschalk äußerst knapp zu Beginn seiner zweiten, "der Vorhang ging dauernd im falschen Moment zu - und dann stand da Werbepause." Tatsächlich war die rund 30-minütige Sendung dreimal von Werbung unterbrochen worden, so unglücklich platziert, dass Studiogast Bully Herbig kaum ausreden konnte. "Thommy, das muss besser werden" war da noch einer der netteren Kommentare auf der hoch frequentierten Facebookseite der Sendung.

Dass sich an dem Werbeärgernis etwas ändern werde, erschien direkt im Anschluss an die erste Ausgabe noch recht unwahrscheinlich: Auf die im Chat aufgeworfene Frage, ob man die Werbeunterbrechungen abschaffen könnte, antwortete Gottschalk mit einem flapsigen "von mir aus gerne, wenn ihr mehr gebuehren zahlen wollt". Ein Statement, das nicht unbedingt mit den zuvor abgesteckten Zielen der Sendung zusammengeht: Dank der Einbindung von Social Media wolle man nah am Zuschauer sein, sagte Gottschalk keine halbe Stunde zuvor in die Kamera - um dann das Thema, das im Netz vom Publikum am meisten diskutiert wird, mit einer Standardausflucht abzutun?


Gutes Krisenmanagement sieht anders aus. Und das scheint der ARD bewusst: "An alle Kritiker der Werbeunterbrechungen bei #GottschalkLive: Wir nehmen Eure Kritik sehr Ernst+kümmern uns um das Problem!", twitterte die Redaktion am Dienstag und ließ umgehend Taten folgen. Man bemühte sich noch am gleichen Abend, die verhassten, aber nun mal vorhandenen Werbeeinblendungen sinnvoller zu platzieren - was von vielen Internetnutzern mit Beifall quittiert wurde. Es gab nur noch zwei statt drei Pausen, eine dafür etwas länger.

Obwohl das Erste damit demonstrierte, dass das Feedback aus der Webgemeinde aktiv zur Kenntnis genommen wird, bleibt die Social-Media-Komponente von "Gottschalk live" weiterhin stark ausbaufähig. Zwar flirtet der Moderator regelmäßig mit seiner Social-Media-Fee Caro, doch die versprochene Einbeziehung von Zuschauerbeiträgen in die Sendung ist derzeit noch kaum der Rede wert: Von drei Gästen bekam erst einer eine Userfrage zu hören, eine ziemlich belanglose noch dazu. Mehr Aufmerksamkeit wurde hingegen Usern zuteil, die sich um die in der ersten Sendung ausgelobte ARD-Krawatte bemühten.

Forenmitglied Waechter bemängelt hingegen zu Recht, dass man sich bei Facebook registrieren muss, um am Chat nach der Sendung teilzunehmen. Die Redaktion hat also noch einiges vor, sobald die noch immer diskutierte Werbeproblematik zur Zufriedenheit der Zuschauer geklärt ist - sofern dann noch welche da sind: Während 4,34 Millionen Deutsche die erste Ausgabe von "Gottschalk live" verfolgten, schalteten am Tag danach nur noch 2,43 Millionen Zuschauer ein.



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