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13. Januar 2012
Interview: Daniel Dae Kim: "Ich will Teil der Lösung sein" Bild vergrößern 680 907 http://img1.magnus.de/Daniel-Dae-Kim-w-nscht-sich-mehr-Rollen-f-r-asiatisch-amerikanische-Darsteller-die-jenseits-bestehender-Klischees-sind--r680x907-C-4a1f155c-51367270.jpg © SAT.1 / TM & CBS Studios Inc.
© SAT.1 / TM & CBS Studios Inc.
Interview

Daniel Dae Kim: "Ich will Teil der Lösung sein"

"Drei Engel für Charlie", "Einsatz in Manhattan", "Knight Rider" - sie alle gingen schief. Neuauflagen erfolgreicher Fernsehserien sind in den USA bei den Sendern beliebt, funktionieren beim Publikum aber fast nie. Eine Ausnahme gibt es: Mit 14,2 Millionen Zuschauern gehörte "Hawaii Five-0" 2010 zu den erfolgreichsten Serienstarts. Mittendrin, und für die Zuschauer weltweit kein Unbekannter: Daniel Dae Kim. Der 43-Jährige spielt Detective Lieutenant Chin Ho Kelly. Er gehört zu einer Eliteeinheit, die in Hawaii auf Verbrecherjagd geht. Geboren wurde er in Südkorea, doch früh siedelten seine Eltern in die USA um, wo er in New York und Pennsylvania groß wurde. Nach zahlreichen Theaterengagements sowie kleineren Filmrollen in Blockbustern ("Hulk", "L.A. Crash", "Spider-Man 2") kam der Durchbruch mit der langjährigen Hauptrolle als Jin Kwon in der TV-Serie "Lost" sowie einem längeren Engagement in der Serie "24". Auf Hawaii ist der zweifache Familienvater längst heimisch geworden, besitzt er doch auch in Honolulu ein Restaurant. In einem Hotel nur wenige Meter vom Ozean entfernt, erzählt Daniel Dae Kim von seiner neuen Heimat und appelliert zudem eindringlich an die Filmindustrie ...

teleschau: Sie und Ihre Familie sind schon vor Jahren nach Hawaii gezogen ...

Daniel Dae Kim: Das stimmt. Als "Lost", das ja auch auf Hawaii gedreht wurde, populär wurde und es klar war, dass es einige Staffeln geben würde, entschieden wir, das Risiko einzugehen und hierher zu ziehen. Ein wunderbarer Platz, um seine Kinder großzuziehen.

teleschau: Und was wäre geschehen, wenn die Produzenten von "Hawaii Five-0" nicht auf Sie zugekommen wären?

Daniel Dae Kim: Gute Frage. Womöglich hätte ich zum Arbeiten nach Los Angeles oder New York gehen müssen. Ich hätte jedenfalls alles versucht, um meiner Familie zu ermöglichen, hierzubleiben. Mir ist schon klar: Als Schauspieler muss ich immer reisen, manchmal sogar für Monate. Aber für Kinder gibt es nichts Besseres als Hawaii!

teleschau: Aber die Kriminalität ...

Daniel Dae Kim: (lacht). Glauben Sie mir, die gibt es so nur im Fernsehen.

teleschau: Was schätzen Sie an der Serie?

Daniel Dae Kim: Sie bedient vordergründig ein Genre, von dem die Leute glauben es zu kennen. Cop-Serien gibt es überall, auf allen Sendern. Aber die Tatsache, dass wir auf Hawaii drehen, dass "Hawaii Five-0" Drama und ein bisschen Comedy zugleich ist, sorgt immer wieder für Überraschungen.


teleschau: Wie sehen die Hawaiianer selbst die Serie?

Daniel Dae Kim: Natürlich wissen die Zuschauer, dass die Zahl der Verbrechen in Wahrheit auf der Insel bei Weitem nicht so hoch ist. Am Anfang sahen die Hawaiianer schon genau hin, welches Bild hier von ihrer Insel entsteht. Sie wollten sicher sein, dass wir eine Serie drehen, auf die sie stolz sein können. Um so mehr freut es mich zu wissen, dass die Menschen hier die Serie inzwischen begeistert angenommen haben. Sie wissen, dass sie gut für Hawaii ist.

teleschau: Gibt es Parallelen zwischen den Serien "Lost" und "Hawaii Five-0"?

Daniel Dae Kim: Natürlich sind sie sehr unterschiedlich. Aber es finden sich gleiche Drehorte. Und vor allem: Viele, die hinter den Kulissen damals arbeiteten, sind nun wieder dabei.

teleschau: Wenn Sie an "Lost" zurückdenken, was vermissen Sie am meisten?

Daniel Dae Kim: Sicher die Freunde, die ich da gewonnen habe. Mit einigen der Schauspieler bin ich immer noch in Kontakt. Ich hoffe, wir finden Projekte, um mal wieder zusammenzuarbeiten. In der zweiten Staffel von "Hawaii Five-0" ist zum Beispiel Terry O'Quinn mit dabei, der über Jahre hinweg auch in "Lost" spielte.

teleschau: Und wie hat sich die Beziehung der Darsteller bei "Hawaii Five-0" entwickelt?

Daniel Dae Kim: Jetzt, beim Dreh der zweiten Staffel, wurde aus Kollegen schon fast eine Familie. Mit allen Folgen: Du erkennst, was du an den anderen besonders magst. Und natürlich auch, was dich bei ihnen ärgert (lacht).

teleschau: Wenn Sie auf den Straßen Honolulus unterwegs sind, wie reagieren die Menschen auf Sie?

Daniel Dae Kim: Klar, gerade hier werde ich dauernd erkannt. Wo immer ich hinkomme, geben sich die Leute so, als würden sie mich kennen. Aber meistens geschieht das sehr respektvoll. Hier mal ein Bild, dort ein Autogramm. Ab und an kommt es sogar vor, dass Teenager vor Aufregung zu schreien beginnen.

teleschau: Was tun Sie dann?

Daniel Dae Kim: Das Beste ist, Du schreist mit ... - aber im Ernst: Ich erinnere mich daran, dass ich als Kind jemanden traf, den ich sehr bewunderte. Ich verrate nicht, wer es war, aber ich weiß noch, wie aufgeregt ich war. Und dann war er gar nicht nett. Das war eine Erfahrung, die ich nie vergessen habe. Ich nehme mir daher schon vor, dass ich heute immer dafür sorgen will, dass dieser Moment den anderen in guter Erinnerung bleibt.

teleschau: Haben Sie eigentlich das Original der Serie aus den 70er-Jahren gesehen?

Daniel Dae Kim: Ein paar Episoden. Ich wollte schon wissen, wie Chin Ho Kelly im Original war (damals gespielt von Kam Fong, d. Red.). Es war eine tolle Serie zu ihrer Zeit, sie passte bestens in die 70-er. Aber wenn man sie ansieht, wird einem auch klar, wie sehr sich die Anforderungen an das Fernsehen in den Jahrzehnten verändert haben. Es ist das gleiche Genre, aber es ist doch anders. Die Entwicklung der Charaktere steht viel mehr im Mittelpunkt ...

teleschau: Und die Technik auch.

Daniel Dae Kim: Sicher, wir haben viel mehr Hubschrauber, explodierende Warenhäuser, all das ...

teleschau: Was könnte für Sie nach "Hawaii Five-0" kommen?

Daniel Dae Kim: Das Leben eines Schauspielers ist hier in Amerika schwer zu planen. Insbesondere für asiatisch-amerikanische Schauspieler.

teleschau: Haben sie es immer noch schwerer in der US-Filmindustrie?

Daniel Dae Kim: Schon. Auch deshalb habe ich mir fest vorgenommen, nur Rollen zu übernehmen, die uns helfen. Nicht solche, die es uns noch schwerer machen. Wir wissen alle, dass es einige Rollen gibt, die ... nunja ... nicht gerade zuträglich dabei sind, bestehende Klischees zu durchbrechen. Also versuche ich, Teil einer Lösung zu ein, nicht Teil eines Problems. Ich hoffe, dass das für manche junge Kollegen auch ein Ansporn sein kann.

teleschau: Sie lehnten also auch schon Rollen ab, die nicht in Ihr Bild passten?

Daniel Dae Kim: Natürlich. Es ist interessant: Wenn ich eine Rolle angeboten bekomme, die ich eher verwerflich finde, dann scheint Hollywoods Antwort immer die gleiche zu sein: Man will mir einfach mehr Geld geben. Und dann stellt sich für Schauspieler schon die Frage, inwieweit sie ihre Prinzipien beibehalten. Oder inwieweit sie eben das Geld brauchen. Gott sei Dank bin ich inzwischen in einer Position, in der ich wählen kann. Aber mir ist auch klar, dass das viele nicht können. Sie müssen ihre Miete bezahlen, warten auf ihre erste große Chance. Ich versteh sie schon, wenn sie dann Zugeständnisse machen. Aber ich selbst bin glücklich, einigermaßen unabhängig zu sein. Das erlaubt es mir, stolz auf das zu sein, was ich tue.

teleschau: Sehen Sie eine positive Entwicklung, was die Rollenangebote für asiatisch-amerikanische Schauspieler auf dem Markt betrifft?

Daniel Dae Kim: Schon. Gerade mit "Lost" haben wir dazu beigetragen, nachdem die Serie auch international so erfolgreich war. Wenn das bedeutet, dass sich Menschen, übrigens auch Angehörige anderer Minderheiten, angetrieben fühlen, es auch zu versuchen, hat es sich schon gelohnt. Übrigens meine ich nicht nur Schauspieler, auch Regisseure, Autoren, Produzenten. Aber ich bin da optimistisch.



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