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teleschau - der mediendienst

5. Januar 2012
Interview: Christian Kohlund: "Ich werde nicht aufhören, zu träumen" Bild vergrößern 680 468 http://img2.magnus.de/image-r680x468-C-af43abc0-50696358.jpg © ARD Degeto / Lisa Film / O. Roth
© ARD Degeto / Lisa Film / O. Roth
Interview

Christian Kohlund: "Ich werde nicht aufhören, zu träumen"

Am Ende ist dann doch noch kurz Business as usual angesagt. "Wollen Sie sonst noch etwas wissen?", fragt ein braungebrannter Christian Kohlund und gibt dann selbst die Antwort: "Ich bin immer noch mit meiner Frau zusammen - meine Hunde vermisse ich. Meine Kinder liebe ich." Es sind die gängigen Dinge, die die Presse von dem mittlerweile 61-jährigen Vollblutschauspieler wissen will und die er routiniert abspult.

Genauso souverän erwehrt sich der ewige "Traumhotel"-Direktor gegen die immerwährenden Vorwürfe, lediglich seichte Fernsehunterhaltung abzuliefern. Der Erfolg zumindest gibt ihm recht. Nun ist Kohlund erneut in der gefühligen ARD-Reisereihe als Hotelier Markus Winter zu sehen. Am Freitag, 6.1., 20.15 Uhr, sprühen die Funken in der Episode "Das Traumhotel - Vietnam", am Freitag, 13.1., 20.15 Uhr, im feurigen "Brasilien". Am Set des 17. "Traumhotels", dem vietnamesischen Luxusresort "The Nam Hai", hatte der Schweizer mit der unverkennbaren Bassstimme im Interview aber trotz tropischer Traumkulisse Zeit und Muße für kritischere Töne.

teleschau: Was für eine Hitze! Herr Kohlund wie wappnen Sie sich gegen solch tropische Temperaturen?

Christian Kohlund: Gewöhnen kann ich mich daran nie. Ich muss auch ganz ehrlich zugeben, dass ich das früher besser vertragen habe. Als Schweizer komme ich mit trockener Eiseskälte eben besser klar, als mit schwüler Hitze. Minus 20 Grad muss es haben und trocken muss es sein, dann geht's mir gut.

teleschau: Das ganze Jahr über Flip-Flops tragen wäre also nichts für Sie?

Kohlund: Jahreszeiten sind für den Rhythmus des Menschen ganz wichtig. Wir mussten ja leider feststellen, dass sich der Klimawandel bemerkbar macht. Ich konnte das durch die vielen Reisen extrem sehen. Die ganz normalen Jahreszeiten, wie ich sie in meiner Jugend erlebte, die gibt es doch gar nicht mehr. Heute verwischt das alles zu sehr. Ich glaube, dass die Menschheit in Zukunft sehr damit zu schaffen haben wird. Was auf den Malediven passiert - das sind doch die Vorzeichen einer apokalyptischen Katastrophe.

teleschau: Bleiben wir in Vietnam. Wie gefällt Ihnen das Land?

Kohlund: Vietnam erholt sich langsam von der Katastrophe des Kriegs, und das sehe ich mit Freude. Europäer werden sehr freundlich aufgenommen. Sie sind sehr gastfreundlich und höflich uns gegenüber - das ist nicht selbstverständlich. Wir sind diesen Menschen eigentlich etwas schuldig. Dieses Luxushotel ist natürlich ein Extrembeispiel. Ich hoffe nur, dass Vietnam nicht unserem westlichen Kommerzalbtraum verfällt. Man müsste sie eigentlich warnen - uns bekommt das zu Hause schließlich auch nicht. Sie sollten sich auf die Qualitäten ihres Landes besinnen. Nicht nur aufs Geld.

teleschau: Das "Traumhotel" appelliert aber eher an unser konsumierendes Gemüt ...

Kohlund: Wir sind eben ein Hochglanz-Unterhaltungsprogramm. Im Zentrum stehen das Hotel und das Land, das wir bereisen. Natürlich läuft da vieles über die Optik. Wir verkaufen Träume, nicht die Realität. Wenn man vor Ort ist und sich tatsächlich mit der Kultur konfrontiert und auch mit der Armut, die in vielen dieser Länder herrscht, sieht natürlich vieles anders und weniger glamourös aus.

teleschau: Wie reisen Sie, wenn Sie ohne Filmteam unterwegs sind?

Kohlund: Ich hatte die Chance, mit meinen Eltern ganz früh aus der Schweiz mit dem Auto nach Spanien oder nach Italien zu fahren. Das waren noch richtige Reisen. Man fuhr über den Gotthard. Man hielt an, sah zum ersten Mal das Meer, das hinter einem Hügel auftauchte. Das waren unglaubliche Erlebnisse, eben weil man sich bewusst bewegt hat. Früher war das Reisen noch aufregend, wie ein Verliebtsein - der Weg war das Ziel. Die Landschaft, die sich langsam vor dem Autofenster veränderte - das sieht man ja alles nicht mehr aus der Luft.


teleschau: Sie sind also ein "Easy Rider"?

Kohlund: (lacht) Absolut! Ich bin ein extrem freiheitsliebender Mensch und gerne autark. Und das bin ich im Auto. Ich halte an, wo ich will, ich rauche Zigarette, wo ich will - ich bin tatsächlich ein großer Fan des Roadmovies. Wenn ich dann noch mit meinem alten Mustang dahinrolle, mit Cowboyhut und Stiefeln - dann hat man so seine kleinen Bubenträume. Völlig infantil, aber schön.

teleschau: Ist das "Traumhotel" gerade des Reisens wegen immer noch ein Traumjob?

Kohlund: Seit den frühen 80-ern arbeitete ich viel im Ausland. Ich habe ganz Frankreich gesehen. Italien ist aber immer noch mein Lieblingsland. Was habe ich alles sehen dürfen? Eigentlich ist das ein Geschenk, so muss man das ja sehen. Wann kommst Du schon mal so einfach nach Peking, nach Bali, auf die Seychellen oder nach Südafrika? Es erweitert den Horizont. Ich liebe es, Menschen aus anderen Kulturen kennenzulernen ...

teleschau: ... und das Erlebte danach in eine Diashow zu packen?

Kohlund: Ich bitte Sie. Das ist doch furchtbar. Ich fotografierte früher sehr viel - auch am Set. Aber seitdem jeder ein Handy mit Fotoapparat besitzt, lass ich meinen zu Hause. Das ist mir ein bisschen verleidet. Diese Errungenschaften sind genial, wenn man sie richtig nutzt. Aber diese Technologien haben angefangen, uns zu benutzen. Dieses Zeug hält uns im Bann. Internet ist sicher eine unglaublich tolle Sache - wenn das den jungen Menschen in Ägypten, Syrien, Tunesien, Libyen hilft, sich zu organisieren, um ihrem Unmut Platz zu machen. Sinnlos rumzusurfen, seine ganze Zeit mit Spielen zu verzocken - das ist dagegen total dämlich.

teleschau: Sie haben in Ihrer Jugend eine zeitlang in Cambridge studiert ...

Kohlund: Naja, sagen wir ich bin dort gewesen. Und ich war ununterbrochen verliebt - in hübsche Französinnen und Spanierinnen. Angestrengt habe ich mich aber doch - ich musste schließlich Eindruck schinden (lacht).

teleschau: Zuletzt beeindruckten Sie die Kritiker vor allem auf der Theaterbühne. Im Ein-Mann-Stück "Im Zweifel für den Angeklagten" waren Sie Hauptdarsteller und Regisseur zugleich - steht ein Wechsel ins Regiefach an?

Kohlund: Die Fernsehstationen tun sich da oft schwer. Sie wollen keine Schauspieler, die Regie führen. Hinzu kommt, dass ich recht eigenwillig bin. Ich mache wenige Kompromisse und bekomme dafür schnell Probleme (lacht). Regie war immer ein erklärtes Ziel von mir und es ist ja noch nicht zu Ende, das Leben. Jeder hat so seine kleinen Träume. Ich würde das Stück sehr gerne als engagiertes Dokudrama fürs Fernsehen realisieren und würde das selber inszenieren - ich habe die Figur des US-Strafverteidigers Clarence Darrow ja über 300-mal mit großem Erfolg gespielt. Da will ich weiter machen, das Drehbuch schreiben. Ich werde nicht aufhören, zu träumen.

teleschau: Nervt die Schublade, in der Sie stecken?

Kohlund: Es ist einfach so: Wenn Du auf einer Schiene Erfolg hast, kommst du für andere Dinge nicht mehr in Frage. Ich arbeite seit 45 Jahren in dem Beruf. Ein großes Problem ist seine Vermassung - man kann wirklich glücklich sein, wenn man nach so langer Zeit noch dabei ist. Heute ist es doch eine Leistung, in eine Schublade gesteckt zu werden. Viele kämpfen ein Leben lang, um überhaupt präsent zu sein. Aber natürlich hat es auch seine Schattenseite.

teleschau: Wie sieht die aus?

Kohlund: Ich werde eben immer damit identifiziert: "Ach, das ist doch dieser 'Traumhotel'-Fuzzi". Die Branche ist so - ich glaube auch nicht, dass das besser werden wird.

teleschau: Wird man da nostalgisch?

Kohlund: Schauspieler - das war mal ein Beruf. Etwas Besonderes. Heute geht jeder vor die Kamera und hat damit auch noch Erfolg. Das ist nicht böse gemeint, die Zeiten haben sich einfach geändert.

teleschau: Keine guten Aussichten also für den Schauspielernachwuchs?

Kohlund: So würde ich das nicht sagen. Wir müssen uns nur für unseren Berufstand wehren. Es gibt in Deutschland exzellente Schauspieler, die sehr viel können und sehr vielseitig sind. Natürlich kommen da auch wahnsinnig gute Schauspieler nach.

teleschau: Erhöht das den Druck auf die "älteren Semester"?

Kohlund: Ich lasse mich jedenfalls nicht operieren oder ästhetisch optimieren. Rollen verändern sich eben mit dem Älterwerden. Es gibt auch noch tolle Rollen für Über-60-Jährige, auch wenn das Hauptaugenmerk im Fernsehen auf die 25-Jährigen gerichtet ist. Ich hatte diese Zeit, ich muss ihr nicht nachtrauern. Heute müssen junge Schauspieler aufpassen, dass sie nicht nur benutzt und verbraten werden. Sie müssen sich bewusst machen: Die Schauspielerei ist ein Beruf, nicht nur eine Titelseitenphase.



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